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Web App vs Native App – Vom Hypewahnsinn und Gyrosensoren

19th Juni 2012

Apps sind wie ein Porsche – so ziemlich jeder hätte gerne einen, über die Sinnhaftigkeit sollte man allerdings nicht diskutieren. Apps machen Spaß, vereinfachen vieles und können gute Instrumente für den direkten Draht zum Kunden sein. Dazu kommt die Erwartungshaltung: „Wie, Ihr habt keine App?“, die Angst etwas zu verpassen und der Glaube mit einer eigenen App könnte man bislang enttäuschende Konzepte plötzlich erfolgreich werden lassen. In wenigen Fällen werden mit Apps die gesteckten Ziele tatsächlich erreicht, wenn überhaupt Ziele formuliert wurden. Apps sind eine Hype-Falle, in die Unternehmen nur allzu leicht tappen. Web Apps stehen dagegen im Aufmerksamkeits-Schatten – zu Unrecht.

Man kann zwei App-Konzepte unterscheiden, „Native Apps“ und „Web Apps“. Von einer nativen App spricht man, wenn Sie sich beispielswiese im Apple App Store eine App für Ihr iPhone herunterladen und installieren. Diese App ist ein Programm, was genau für das iPhone-Betriebssystem entwickelt wurde. Eine Web App hingegen ist -vereinfach gesagt- eine Website, die sich jedoch wie eine App anfühlt und verhält. Beide Ansätze haben Ihre Vor- und Nachteile. Fangen wir aber nicht mit der Technologie, sondern mit der Frage zur Sinnhaftigkeit an.

Apps sind schick, trendy, modern und meistens nutzlos. Sie werden geordert, eben weil sie hip sind – nicht weil die App etwas zum Unternehmenserfolg beiträgt. Der Auftraggeber macht dabei auch keinen Fehler, schließlich hat der Wettbewerb ja auch eine App oder eben noch nicht und irgendwie ist das ja auch „die Zukunft“. Keiner hat wirklich Ahnung und die Agenturen blasen fröhlich mit in’s Horn. Da macht man sich schon fast unbeliebt, wenn man zuerst nach dem Sinn und Zweck dieses Vorhabens fragt. In vielen Situationen werden eben nicht Lösungen gesucht – die in manchen Fällen Apps darstellen – sondern Gründe, die für eine App sprechen. Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich mag Apps, hab selbst eine ganze Menge, die richtig sinnvolle Aufgaben für mich erfüllen. Ich hab aber eben keine Apps, die ich nicht wirklich brauche, weil ich die Informationen oder den Nutzen auf anderen Wegen genau so gut oder besser erreichen kann. Warum sollte ich denn eine (nicht existente) Neuigkeiten-App der Stadt Werther extra im App Store laden und installieren, wenn ich die Neuigkeiten direkt auf der Website finden kann. Der Aufwand eine App zu installieren und wieder zu deinstallieren rechtfertigt diesen Nutzen schlichtweg nicht. Eine App, die mir allerdings eine Push-Nachricht direkt anzeigt, wenn Arminia ein Tor geschossen hat, kann ich dann schon eher rechtfertigen. Der wesentliche Unterschied ist hierbei, dass ich einerseits eine Information abrufen möchte (aktiv) und im anderen Fall benachrichtigt (passiv) werden möchte.

Ein Ziel als Auslöser für Apps

Das Ziel sollte es ja sein, den Kunden zu erreichen, zu binden und glücklich zu machen. Nicht, ihm eine weitere App anzubieten, die keinen Mehrwert bietet. Fragen, die sich jeder stellen sollte, der mit dem Gedanken spielt, eine App entwickeln zu lassen:

  • Was will ich im Sinne der Vermarktungsstrategie erreichen?
  • Welche konkreten Ziele habe ich?
  • Wie kann ich die Ziele erreichen?
  • Wie kann ich die Ziele messen?

Wenn diese Fragen immer noch gut mit „App“ beantwortet werden, sollte es so weitergehen:

  • Bringe ich dem Kunden Nutzen mit einer App?
  • Könnte der Kunde den Nutzen auch auf unserer Webseite haben?
  • Könnten wir uns bei existierenden Funktionen eines Smartphones (z.B. Kalender-Abonnements) einhaken?
  • Brauchen wir Funktionen, die nur eine native App bieten kann?

Die letzte Frage ist ganz entscheidend. Wenn die native App auf Funktionen wie den Gyrosensor – das Gerät, dass dem Handy verrät, wie Sie es gerade halten – angewiesen ist, kann eine Web App nicht mithalten. Auf diese Daten kann nur eine native App zugreifen. Sind solche Funktionen nicht geplant, dann ist die Web App in vielen Fällen die bessere Idee.

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Sie brauchen nur eine App

Für eine native App müssen diverse einzelne Apps entwickelt werden – für jedes System eine. Eine Übersetzung oder Portierung ist nicht oder nur schwer möglich. Dadurch steigen die Entwicklungskosten mit der Zahl der gewünschten Betriebssysteme. Viele Unternehmen weichen diesem Punkt aus, in dem nur iOS- und Android-Versionen entwickelt werden. Manchmal sogar nur eine von beiden Varianten. Nach aktuellen Zahlen werden damit gut 20 Prozent der Smartphone-Nutzer ausgeschlossen, weil es eben noch anderen Smartphone-Betriebssysteme gibt.

Diese „Nachteile“ von nativen Apps sollte man berücksichten, wenn es in die Entwicklung geht. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Gründen, die dafür sprechen, dennoch eine App zu entwickeln. Ein Hype sollte jedoch nicht unter den Gründen sein. Ein deutlich formuliertes Vorhaben inklusive einem klar formulierten Ziele schon.

Disclaimer: Dieser Artikel wurde unter Verzicht auf App-Wortspiele verfasst. So schwer es auch fiel, kein „appsolut“, kein „App gehts!“ fand Eingang in den Text. Durch diesen Verzicht ist der Artikel wahrscheinlich einzigartig in den Weiten des Webs.

Zwei Beispiele für Webapps: Plist, Listo

Bildquelle: NASA Goddard Photo and Video @ flickr

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